Suzanne Réko, Schriftstellerin:

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Di
15
Apr '08

Mein Blick, er fällt auf … (Rätsel Teil 3)

1482 brach man das romanische Schiff der Thomaskirche ab und errichtete den bis heute erhaltenen Neubau einer spätgotischen Hallenkirche. Sie wurde 1496 geweiht. Bis auf den Turm, der seine endgültige Gestalt 1702 erhielt, hat sich an der Architektur der Thomaskirche nichts geändert.

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Do
10
Apr '08

Joseph Kyselak

Bei meiner Recherche zu meinem gerade enstehenden Roman “Graffiti” stolperte ich ziemlich bald über ihn. Joseph Kyselak. Geboren wurde er am 22. Dezember 1795 oder 1799 (so genau, weiß man das nicht) in Wien und starb vermutlich am 17. September 1831 in der gleichen Stadt. Ein Wiener, also, der zur Kaiserzeit gelebt hat. Er war Alpinist und Hofkammerbeamter. Bekannt wurde er für seinen Eintrag im Biographischen Lexikon des Kaiserthums Österreich unter dem Stichwort „Sonderling“. (Was wohl kaum daran lag, dass er Wiener war - kleiner Scherz. :-) )
Aber was hatte dieser Sonderling nun mit Graffiti zu tun?
Ganz einfach, er entwickelte eine Vorliebe, die in der Hinterlassung seines Namens im öffentlichen Raum als Vorläufer des modernen Taggens, bzw. der Graffiti-Kultur gilt.

Angeblich begann er infolge einer Wette, nach der er in drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt werden sollte, seinen Namen bzw. „Kyselak war hier!“ auf allerlei mögliche und unmögliche Plätze im Kaisertum Österreich zu schreiben und zu ritzen, gerne auch auf die unzugänglichsten Berge, wie man in Wikipedia nachlesen kann.

“Die Legende besagt, dass Kyselak zum Kaiser gerufen wurde, nachdem er ein kaiserliches Gebäude „beschmiert“ hatte. Franz I. verbot ihm daraufhin, je wieder seinen Namen irgendwohin zu schreiben, woraufhin Kyselak Besserung gelobte. Als er wieder gegangen war, fand der Kaiser Kyselaks Namen und das Datum an seinem Schreibtisch eingraviert.

Der Wettgewinn wurde ihm bereits nach eineinhalb Jahren ausgezahlt.

Trotzdem erwähnt Kyselak in seinen 1829 veröffentlichten Skizzen einer Fußreise durch Österreich, Steiermark, Kärnthen, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien – nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825 seine Manie selten, so etwa bei seinem Besuch der Schlossruine Kapfenberg : Ich bezeichnete diese merkwürdige Wand, an der ich mich nun fest anklebte, groß mit schwarzer Jahreszahl.

Kyselak fiel schließlich der Cholera-Epidemie von 1831 zum Opfer. Es scheint wahrscheinlich, dass er sich über das frische Obst, das er trotz aller Warnungen täglich aß, infizierte. Und selbst, als er sich bereits angesteckt hatte, weigerte er sich beharrlich, einen Arzt aufzusuchen.

Dennoch lebt sein Name weiter. […]
Auch einige von Kyselaks Inschriften sind noch erhalten, z.B. auf einem Obelisken im Wiener Schwarzenbergpark, am Wehrturm von Perchtoldsdorf und auf einer Felswand in der Wachau zwischen Krems und Dürnstein bei Rothenhof. Heute noch ist der Name „Kyselak“ auf diversen Wänden und Plätzen anzutreffen, wenngleich oft in verstümmelter Form z.B. als „Kisselak“. Er selbst schrieb jedoch immer „Kyselak“.”

Kyselak war demnach ein moderner Schmierfink, einer längst vergangenen Zeit. Vielleicht begegnen Sie seinen Schriftzügen bei Ihrer nächsten Reise durch Österreich? Und dann denken Sie an mich, seine Landsmännin … ;-)

Mi
9
Apr '08

Rätselraten - Der neue Stein

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“Und deshalb müssen wir unseren Tee mit so großer Sorgfalt zubereiten. Zuerst löst sich das Koffein - etwa in den ersten drei Minuten. Dann lösen sich die Gerbsäuren - etwa bis zur fünften Minute. Es gibt kleine Sanduhren für Telefongespräche, oder man nimmt eine Eieruhr, oder man konzentriert sich wirklich auf die Minutenangaben der Küchenuhr, um die Zeit genau zu messen.” (Sonja Matthes - Das kleine Teebuch)

Di
8
Apr '08

Etwas zum Nachdenken

Ein Bruderzwist in Habsburg

Franz Grillparzer

(1. Aufzug)
Ich glaub an Gott und nicht an jene Sterne,
Doch jene Strene auch, sie sind von Gott.
Die ersten Werke seiner Hand, in denen
Er seiner Schöfpung Abriss niederlegte,
Da sie und er nur in der wüsten Welt.
Und hätt´es später nicht dem Herrn gefallen,
Den Menschen hinzusetzen, das Geschöpf,
Es wären keine Zeugen seines Waltens,
Als jene hellen Boten in der Nacht.
Der Mensch fiel ab von ihm, sie aber nicht.
Wie eine Lämmerherde ihrem Hirten,
So folgen sie gelehrig seinem Ruf
So heut als morgen, wie am ersten Tag.
Drum ist in Sternen Wahrheit, im Gestein,
In Pflanze, Tier und Baum, im Menschen nicht.

(3. Aufzug)
Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar,
Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große,
Die Kunst, die Wisschenschaft, den Staat, die Kirche
Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt,
Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,
Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.

Da steht´s vor mir! Der Mord, der Bürgerkrieg.
Was ich vermieden all mein Leben lang,
Es tritt vor mich am Ende meiner Tage.
Es soll, es darf nicht. Steckt die Schwerter ein,
Vertragt euch mit dem Feind.

Ich bin so gut nicht, als es etwa scheint -
Die andern nennen´s schwach, ich nenn´ es gut.
Denn, was Entschlossenheit den Männern heißt des Staats,
Ist meistenfalls Gewissenlosigkeit,
Hochmut und Leichtsinn, der allein nur sich
Und nicht das Schicksal hat im Aug der andern;
Indes der gute Mann auf hoher Stelle,
Erzittert vor den Folgen seiner Tat,
Die, als die Wirkung e i n e s Ferderstrichs,
Glück oder Unglück forterbt späten Enkeln.

(4. Aufzug)
Ich hielt die Welt für klug, sie ist es nicht.
Gemartert vom Gedanken droh´nder Zukunft,
Dacht´ ich die Zeit von gleicher Furcht bewegt,
Im leisen Zögern seh´nd die einz´ge Rettung.
Allein der Mensch lebt nur im Augenblick,
Was heut ist, kümmert ihn, es gibt kein Morgen.

Fernand, du glaubst dich stark und bist es auch,
Vor allem, wenn du meinst, für Gott zu streiten.
Sei´s gleicherweis auch sonst, und stark, nicht hart!
Was dir als Höchstes gilt: Die Überzeugung,
Acht sie in andern auch, sie ist von Gott,
Und er wird selbst die Irrenden belehren.

Ich selber war ein Mann der Dunkelheit.
Von ihren Streitigkeiten angeekelt,
Floh ich dahin, allwo die frühsten Menschen
Zuerst erkannten ihres Lebens Meister.
Vom Hügel auf zu den Gestirnen blickend
Und ihre stet´ge Wiederkehr betrachtend,
Erscholl´s in ihrer Brust: Es ist ein Gott
Und ewig die Gestze seines Waltens.


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