Ein Bruderzwist in Habsburg
Franz Grillparzer
(1. Aufzug)
Ich glaub an Gott und nicht an jene Sterne,
Doch jene Strene auch, sie sind von Gott.
Die ersten Werke seiner Hand, in denen
Er seiner Schöfpung Abriss niederlegte,
Da sie und er nur in der wüsten Welt.
Und hätt´es später nicht dem Herrn gefallen,
Den Menschen hinzusetzen, das Geschöpf,
Es wären keine Zeugen seines Waltens,
Als jene hellen Boten in der Nacht.
Der Mensch fiel ab von ihm, sie aber nicht.
Wie eine Lämmerherde ihrem Hirten,
So folgen sie gelehrig seinem Ruf
So heut als morgen, wie am ersten Tag.
Drum ist in Sternen Wahrheit, im Gestein,
In Pflanze, Tier und Baum, im Menschen nicht.
(3. Aufzug)
Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar,
Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große,
Die Kunst, die Wisschenschaft, den Staat, die Kirche
Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt,
Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,
Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.
Da steht´s vor mir! Der Mord, der Bürgerkrieg.
Was ich vermieden all mein Leben lang,
Es tritt vor mich am Ende meiner Tage.
Es soll, es darf nicht. Steckt die Schwerter ein,
Vertragt euch mit dem Feind.
Ich bin so gut nicht, als es etwa scheint -
Die andern nennen´s schwach, ich nenn´ es gut.
Denn, was Entschlossenheit den Männern heißt des Staats,
Ist meistenfalls Gewissenlosigkeit,
Hochmut und Leichtsinn, der allein nur sich
Und nicht das Schicksal hat im Aug der andern;
Indes der gute Mann auf hoher Stelle,
Erzittert vor den Folgen seiner Tat,
Die, als die Wirkung e i n e s Ferderstrichs,
Glück oder Unglück forterbt späten Enkeln.
(4. Aufzug)
Ich hielt die Welt für klug, sie ist es nicht.
Gemartert vom Gedanken droh´nder Zukunft,
Dacht´ ich die Zeit von gleicher Furcht bewegt,
Im leisen Zögern seh´nd die einz´ge Rettung.
Allein der Mensch lebt nur im Augenblick,
Was heut ist, kümmert ihn, es gibt kein Morgen.
Fernand, du glaubst dich stark und bist es auch,
Vor allem, wenn du meinst, für Gott zu streiten.
Sei´s gleicherweis auch sonst, und stark, nicht hart!
Was dir als Höchstes gilt: Die Überzeugung,
Acht sie in andern auch, sie ist von Gott,
Und er wird selbst die Irrenden belehren.
Ich selber war ein Mann der Dunkelheit.
Von ihren Streitigkeiten angeekelt,
Floh ich dahin, allwo die frühsten Menschen
Zuerst erkannten ihres Lebens Meister.
Vom Hügel auf zu den Gestirnen blickend
Und ihre stet´ge Wiederkehr betrachtend,
Erscholl´s in ihrer Brust: Es ist ein Gott
Und ewig die Gestze seines Waltens.
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