Suzanne Réko, Schriftstellerin:

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Mo
22
Jan '07

Wie weit reicht die Verantwortung eines Autors für das, was er schreibt?

Diese Frage habe ich mir vor nicht allzu langer Zeit gestellt. Für dieses Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, meinen Thriller “Rosenrot und du bist tot” zu veröffentlichen. So saß ich bei den Endkorrekturen und war fast fertig damit - gerade spitzte sich die Handlung zu, der Höhepunkt der Spannung des Romans war erreicht - als mich eine Frage in meinem Inneren innehalten ließ. “Könntest du verantworten, wenn ein Mensch diese Handlung nachahmen würde? Könntest du mit dem Wissen leben, dass dein Text die Grundlage für eine Tat dieser Art ist?”

Augenblicklich war mir klar, dass dieser Roman niemals in der Öffentlichtkeit zu lesen sein würde. Einige meiner Probeleser werden deshalb sehr enttäuscht sein - auch ich bin es, ein wenig. Zählte diese Werk schließlich zu einem meiner besten. Doch ich bin davon überzeugt, dass man als Autor ebenfalls die Verantwortung für seine Texte übernehmen muss. Ich vertrete die Ansicht, dass auch Kunst ihre Grenzen hat. Deswegen habe ich von einer Veröffentlichung dieses Romans Abschied genommen. Es wird nur ein paar Bücher davon geben und diese nur für einen kleinen Leserkreis einsehbar sein.

Do
11
Jan '07

Warum ich Kriminalromane schreibe

Eine Frage, die einfach zu beantworten scheint, jedoch an Tiefe gewinnt, je mehr man darüber nachdenkt. Ja, warum schreibe ich eigentlich Kriminalromane?
Ist es die Faszination an der Perfektion eines Verbrechens, die Suche nach dem “Perfekten Mord” die mich antreibt solche Geschichten niederzuschrieben? Oder soll dies alles profan einfach nur Unterhaltungszwecken dienen?

Mag sein, dass dabei alles eine Rolle spielt. Ich freue mich darüber, wenn meine Bücher gerne gelesen werden, wenn der Leser nicht bereut, zu einem meiner Romane gegriffen zu haben - wenn er sich gut unterhalten fühlt.

Und natürlich ist es eine Herausforderung einen kriminalistischen Fall auf eine Weise zu schildern, dass dieser nicht gleich von jedem durchschaut wird und das macht Spaß.

Trotzdem ist dies nicht meine Hauptantriebskraft …

Denn im Prinzip schreibe ich Krimis, weil sie mit dem Einhergehen eines Verbrechens das Menschsein mit allen Konsequenzen auf den Punkt bringt. Genau an den Scheideweg, genau dorthin, wo eine Entscheidung getroffen wird, die das zukünftige Leben - nicht nur das des Täters - für immer beeinflusst.

Denn in dem Moment, wo eine Sache, ein Ding, eine (Macht-) Position jemanden zu besitzen beginnt, in dem Moment wo irgendetwas wichtiger wird als der Mitmensch, genau in diesem Moment, kippt das Gleichgewicht. Ab diesem Zeitpunkt kann man nur verlieren. Und wenn einer meiner Protagonisten dann den Weg über “Leichen” wählt, beginnt das Erkennen, dass alles umsonst war. Dass das vermeintliche Problem - der andere Mensch - keineswegs beseitigt wurde. Im Gegenteil, es wächst, es nimmt zu, es beraubt und erstickt die Lebensfreude und die tragische Erkenntnis, dass das unrechtmäßige an sich Nehmen oder Verteidigen einer Position, nicht die gewünschte Freude, nicht den erhofften Frieden bringt. Dass der Hunger nur kurz gestillt wurde. Dass er umso stärker zurückkehrt und nach mehr verlangt. Immer mehr. Hierbei erkennt der Beobachter - manchmal auch der Betroffene selbst - die Sinnlosigkeit seiner / einer Tat.

Über diese Sinnlosigkeit schreibe ich. Niemals kann ein Mord das Begehren nach einer Sache stillen. Niemals kann ein Verbrechen glücklich machen. Auch, wenn es noch so klein ist, auch wenn man meint, es für sich noch so gut rechtfertigen zu können. Denn es schlägt Wellen. Und es verändert.

Deswegen schreibe ich Krimis.